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Roadtrip durch die Krise

Nicht zum ersten Mal setzt sich Ronja von Rönne mit Depressionen auseinander. Sie selbst ist daran erkrankt, was sie nicht daran hindert, dieses Thema in ihrem zweiten Roman „Ende in Sicht“ schnoddrig-witzig aufzubereiten. Lachen, obwohl man traurig ist? Von Rönne sagt Ja, denn für sie sei das ein befreiender Schritt weiter weg von der Stigmatisierung einer Krankheit, die viele betrifft.

Ungeplant autobiografisch

Dass sie über Depressionen schreibe, war ihr anfangs nicht bewusst, so Rönne auf ihrem Instagram-Account. Das habe ihr erst ihr Mann klargemacht. Auf der Social Media-Plattform hatte sie ihren eigenen Zusammenbruch 2020 ungeschönt publik gemacht. Deren Romantisierung finde sie im Übrigen abscheulich, berichtet sie in einer ZEIT-Kolumne vom Januar 2022. Denn sie wolle die Krankheit enttabuisieren, wozu auch der öffentliche Umgang damit gehöre. Nicht wegen der Depression, sondern trotz dieser Krankheit habe sie ihren neuen Roman schreiben können. Oder viel mehr, sie konnte nicht, aber sie musste, ein Zwiespalt, den Betroffene nur zu gut kennen: arbeiten gehen, Alltägliches meistern, obwohl es schier unmöglich erscheint. Es sei eine Krankheit, die ausbremst und folglich das Manuskript von „Ende in Sicht“ für sie zu einem Projekt gemacht hat, das sich über fünf Jahre zog.

In „Ende in Sicht“ erzählt Ronja von Rönne die Geschichte eines Roadtrips, der durch Zufall entsteht: Die 15-jährige Juli hat ihr Leben noch vor sich, die 70-jährige Hella, so meint sie, hinter sich. Haben wollen sie es beide nicht mehr. Doch dann stürzt Juli bei dem Versuch, sich das Leben zu nehmen, direkt vor Hellas Auto, als diese auf dem Weg in die Schweiz ist, um sich dort Sterbehilfe zu „erschleichen“.

Humor als Werkzeug

Man kann sich vorstellen, dass hier zwei Charaktere aufeinandertreffen, die, bis auf den Sterbewunsch, nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Dadurch schillert aber deutlich durch, dass Depressionen in verschiedenen Geschichten und manchmal auch ohne konkreten Anlass zum Vorschein kommen. Was die Krankheit so heimtückisch macht.
Dass die beiden unterschiedlichen Figuren fast schon slapstickhaft aufeinanderstoßen, sei kein Zufall, sondern ein Extremmoment, der notwendig gewesen wäre, erzählt von Rönne im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Denn Momente zu schaffen, in denen man über seine eigenen Dämonen lachen kann, gebe den Betroffenen ein Stück Macht zurück. So begleitet man Juli und Hella auf ihrem Galopp durch die Bundesrepublik, der tragisch und witzig zugleich ist. Ronja von Rönne versteht dabei ihr Buch nicht als therapeutisches Sachbuch, wie sie im Interview mit dem BR sagt. Es ist vielmehr eine Geschichte über zwei Personen, die nicht wissen, warum das Leben weitergehen sollte, durch eine Reise aber eine Vorstellung davon bekommen, wie es gehen könnte.