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Der lange Weg zur Gleichberechtigung: Die queere Bewegung damals und heute

Jedes Jahr finden im Juni weltweit zahlreiche Demonstrationen und Veranstaltungen der queeren Community statt. Während des sogenannten „Pride Month“ machen Personen, die sich als LGBTQ+* identifizieren, auf ihre aktuelle gesellschaftliche und politische Situation aufmerksam. Was im Laufe der Geschichte in Sachen Gleichberechtigung erreicht wurde und warum es auch 2022 weiterer Aufklärung bedarf, erläutert Linus Giese in seinem neuen Buch „Pride!“.

Queere Sichtbarkeit 2022 

Das Thema LGBTQ+ gewinnt im öffentlichen und politischen Diskurs in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung. Am 5. Februar 2021 outeten sich zum Beispiel 185 Schauspieler:innen im Magazin der Süddeutschen Zeitung als queer. Mit #ActOut warben die Teilnehmer:innen der Kampagne für mehr Akzeptanz und Anerkennung in der Gesellschaft und der Film-, Fernseh- und Theaterbranche. Im Herbst vergangenen Jahres zogen Tessa Ganserer und Nyke Slawik von den Grünen als die ersten offen lebenden Trans-Personen in den Bundestag ein – und gaben an, sich dort für queere Politik einsetzen zu wollen. 

Anfang 2022 integrierte die neue Bundesregierung sogar einen ressortübergreifenden „Nationalen Aktionsplan“ in den Koalitionsvertrag, der die „vollständige Durchsetzung der Grundrechte von trans-, inter- und nichtbinären Menschen“ zum Ziel hat. Um dies zu erreichen, wurde unter anderem das Amt der/des Queer-Beauftragten neu geschaffen und mit Grünen-Politiker Sven Lehmann erstmals besetzt.

Autor Linus Giese wertet diese Entwicklungen als wichtige Zeichen – sowohl für die Community als auch für die Gesellschaft im Ganzen. Der Aspekt, dass die Angst vor dem sozialen und beruflichen Ausschluss bei einem Outing insgesamt abzunehmen scheint, sei entscheidend. Dennoch sieht Giese die Notwendigkeit, dass die Community „weiter stolz und mutig“ für ihre Rechte eintritt. „Bei all dem, was wir an Sichtbarkeit, an Repräsentation und an Selbstverständlichkeit […] hinzugewonnen haben, dürfen wir nicht die Augen vor der Diskriminierung verschließen, die wir immer noch erleben“, schreibt er im Vorwort seines Buches. 

LGBTIQ+ im Wandel der Zeit

In „Pride!“ geht Giese umfassend auf die gesamte Geschichte der LGBTIQ+-Bewegung ein – von den Anfängen bis heute. Das Buch stellt die bedeutendsten Protagonist:innen und Aktivist:innen vor. Darunter den Arzt Magnus Hirschmann, der 1930 die erste geschlechtsangleichende Operation durchführte. Aber auch aktuelle Beispiele wie die transsexuelle US-Schauspielerin und Aktivistin Laverne Cox stellt Giese vor. Darüber hinaus bietet die Neuveröffentlichung einen Überblick über alle zentralen Meilensteine, Daten und Fakten. Von den Stonewall-Aufständen im Juni 1969, die dem jährlich stattfindenden „Pride Month“ zugrunde liegen, über rechtliche Errungenschaften und die Gründungen der wichtigsten Organisationen und Kommissionen zum Schutz der queeren Community weltweit. Mit Schaubildern und Zeitleisten, farbenfrohen Illustrationen sowie Zitaten versorgt „Pride!“ die Leser:innen auf anschauliche und unterhaltsame Weise mit allen wichtigen Informationen. Eine echte Leseempfehlung – zum Einstieg in das Thema oder um das eigene Wissen zu vertiefen.

* LGBTQ+ steht für die englischen Worte lesbian (lesbisch), schwul (gay), bi, trans und queer. Das + verdeutlich die Inklusion weiterer sexuelle Orientierungen und Formen von Identitäten.