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Das Gesicht der Sucht

Nathalie Stüben ist Mitte 30, sportlich, verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist ausgebildete Journalistin, hat im Ausland Berufserfahrung gesammelt und betreibt inzwischen einen eigenen Blog, einen Podcast und einen YouTube-Kanal. Thema: Wege aus der Alkoholabhängigkeit. Denn sie war selbst jahrelang abhängig. Etwas, das, wie sie sagt, ihr erstmal niemand glauben will. Denn Nathalie Stüben entspricht nicht dem Bild einer „typischen“ Alkoholikerin. Mit ihrer Arbeit will sie der Krankheit ein Gesicht geben und zeigen: Abhängigkeit sieht immer anders aus. Ihr Buch „Ohne Alkohol. Die beste Entscheidung meines Lebens“ erzählt von ihrem Weg aus der Sucht und gibt Starthilfe für all jene, die ihn noch gehen wollen.

Ein schleichender Prozess

Laut Bundesgesundheitsministerium konsumieren fast sieben Millionen Deutsche in riskantem Maße Alkohol, rund zwei Millionen von ihnen gelten als abhängig. Neben der leichten Zugänglichkeit von Alkohol spiele auch die breite gesellschaftliche Akzeptanz von Bier, Wein und Co. eine enorme Rolle beim Weg in die Abhängigkeit. So auch bei Nathalie Stüben. Augenscheinlich gab es in ihrem Leben keinen Anlass mit dem Trinken anzufangen. Sie habe keine schwierige Kindheit gehabt, hatte Freunde und ging gerne zur Schule. Die Ausbildung sei auch gut gelaufen und mit dem Abschluss an einer renommierten Journalistenschule standen für sie zunächst einmal alle Türen offen. 

Doch seit ihrer Kindheit war die Vorstellung vom Erwachsensein, Spaß und Zusammenhalt für sie eng mit Alkohol verbunden. Die Eltern, die zum Genuss Wein tranken. Feierlichkeiten mit der Verwandtschaft, zu denen immer Alkohol auf dem Tisch stand. Als sie alt genug war, gehörte das Feiern bis zur Eskalation zu ihren regelmäßigen Wochenenderlebnissen. 

Das eigene Leben zurückbekommen

Irgendwann, so sagt Stüben auf ihrem YouTube-Kanal, sei sie morgens nach einer durchzechten Nacht aufgewacht und wusste: Das will ich nicht mehr. Sich einzugestehen, dass man ein Problem hat, sei schwer. Denn das erfordere auch immer den Mut, vor anderen offen zu legen, dass man nicht mehr trinkt. Durch ihren transparenten Umgang mit der eigenen Sucht versucht die Journalistin dem Thema den Schrecken zu nehmen. Sie berichtet in ihrem Buch unter anderem von ehrlichen Gesprächen mit Personen ihres Umfelds, durch die Nähe und gegenseitigen Unterstützung entstanden sind. Eine der ersten Fragen, die ihr im Dialog häufig gestellt werde, lautet, ob es nicht ein Verzicht sei, keinen Alkohol zu trinken. Genau diese Frage sei auch die erste Hürde vor dem Aufhören, meint Nathalie Stüben, weil die Betroffenen selbst Zweifel hegen. Und sie antwortet ganz direkt darauf: Wenn Alkohol ein Problem war, ist das Aufhören kein Verzicht, sondern ein Gewinn. 

Wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld betroffen sind, wenden Sie sich an die Deutsche Suchthilfe https://www.dhs.de/